Achtung, Verbraucherfalle! So wirst du im Supermarkt geschickt getäuscht

Stell dir vor, du erledigst gerade deinen Wocheneinkauf. Fast geschafft, auf der Liste steht nur noch Wurst. Im Regal siehst du zuerst Salami von Stockmeyer, dann fällt dein Blick auf einen Packung vom Güldenhof. Nach kurzem Überlegen greifst du zu der Bauernhof-Salami. Warum? Mit Bauernhof verknüpfen wir eine artgerechte Tierhaltung, glückliche Hühner, ein fleißiger Bauer, der schon im Morgengrauen aufsteht, um die Hennen zu füttern und Eier einzusammeln. Einen Bauernhof assoziieren wir mit Bio-Fleisch – wir tun unserem Körper also etwas Gutes und unterstützen außerdem die regionalen Bauern. Der Haken an der Sache: Der Güldenhof existiert gar nicht, es handelt sich um einen reinen Markennamen. Deine Wurst wurde mit beinahe 100%iger Sicherheit in einer Fabrik hergestellt und du bist soeben in eine Verbraucherfalle getappt.


Viele Menschen gehen mehrmals die Woche in den Supermarkt einkaufen und lassen dort viel Geld. Allein im Jahr 2015 belief sich der Umsatz der Lebensmittelgeschäfte auf mehr als 43 Milliarden Euro.  Doch wenn du nicht genau aufpasst, bist du als Verbraucher den Tricks der Herstellerfirmen ausgeliefert. Wohlklingende Markennamen und entsprechende Bilder, die wir mit ihnen assoziieren, sind nur ein ausgeklügelter Trick echter Marketingprofis. Kunden greifen eben gerade bei Lebensmitteln lieber zu Produkten von Firmen wie Landliebe, Alnatura oder Andechser Natur. Der Inhalt ist übrigens oft beinahe identisch, in vielen Fällen steckt hinter verschiedenen Marken sogar das gleiche Herstellerkonglomerat. Während wir uns der Vorstellung hingeben, unser Joghurt oder Käse stamme von glücklichen, auf einer Weide grasenden Kühen sieht die Wahrheit leider oft ganz anders aus. Hersteller sind übrigens nicht nur Experten im Verschleiern von Herkunftsort, sondern auch was die Vermarktung von Inhaltsstoffen angeht.

Ungesunde Schokolade? Wieso, steckt doch viel gesunde Milch drin, oder nicht?

 

Die pinken Yogurette Riegel kennt wohl jeder, denn die Süßigkeit wird oft als kalmorienarmes Naschwerk dargestellt. Der Hersteller verspricht jedenfalls „joghurt-leichten Geschmack“. Schokolade mit Joghurtfüllung kann doch gar nicht so ungsund sein, oder? Erbeeren sind schließlich auch drin! Fehlanzeige. Die Magermilchjoghurt-Creme besteht aus reichlich Zucker und pflanzlichen Fetten, dadurch hat der Riegel sogar noch mehr Kalorien als so manche Vollmilchschokolade. Echte Erbeeren sucht man in dem Schokoriegel auch vergebens: Erbeergranulat hat mit der frischen Frucht jedenfalls wenig gemeinsam. Der Yogurette-Hersteller wurde sogar schon mal von der Verbraucherorganisation Foodwatch für den „Goldenen Windbeutel“ nominiert. Diese wohl eher unbeliebte Trophäe wird jährlich für die dreisteste Werbelüge verliehen. Schwindel-Produkte gibt es massenhaft: Hersteller versprechen mit Slogans wie „Das Beste aus der Milch“, „75% Kakao aus Tansania“, „Extra-Portion Milch“ und „Nussig-leichtem Geschmack“ das Blaue vom Himmel und versuchen sogar stark zuckerhaltige Getränke und Schokolade voller Kalorien als gesunden Sportler-Snack zu vermarkten.

Mogelpackungen gaukeln mehr Inhalt vor – stattdessen zahlt man meist mehr

Ein relativ neuer Trick der Hersteller sind waschechte Mogelpackungen, mit denen nicht selten auch eine Preiserhöhung einhergeht. Früher gab es in Deutschland einheitliche Verpackungsgrößen, im Jahr 2009 wurde jedoch ein Gesetz verabschiedet, mit dem sich Deutschland den meisten europäischen Ländern anpasste. Das war das Aus für die Ein-Kilogramm-Packung, mit der man noch bequem Preise vergleichen konnte.  Tatsächlich fürchteten Verbraucher sofort, dass Hersteller von nun an weniger in ihre Schachteln packen würden, ohne den Preis merklich zu ändern. Leider hat sich genau dieser Trend entwickelt! Kürzlich wurde beispielsweise die neu designte Evian-Wasserflasche vorgestellt. Statt 1, 5 Liter Inhalt bekommt man jetzt nur noch 1,25 Liter Wasser. Der Preis blieb gleich!  Dass Lebensmittelverpackungen uns Verbrauchern oft mehr Inhalt vorgaukeln, als wir dann tatsächlich vorfinden, ist nicht nur ärgerlich, sondern macht sich auch in unserem Geldbeutel bemerkbar. Hersteller gehen dabei raffiniert vor: In einer prall gefüllten Chipstüte etwa sind gerne mal 30% Luft drin. Einmal geöffnet, verpufft ein Großteil des Inhalts wortwörtlich. Das ist übrigens laut Verbraucherzentrale erlaubt! Von einer Täuschung wird erst ausgegangen, wenn der Freiraum in der Verpackung mehr als 30 Prozent beträgt. Ein weiterer beliebter Trick ist es, das verkaufte Produkt einfach kleiner zu machen und so weniger Inhalt in die Verpackung zu schmuggeln. So geschehen bei den Cottbuser Mürbekeksen, die es bei Rewe zu kaufen gibt. Sie sind jetzt vom Umfang her erheblich kleiner.

Machen kann man da als Verbraucher gar nicht so viel. Es gibt natürlich die Möglichkeit, kritisierte Produkte der Verbraucherzentrale zu melden. Monatlich gehen dort bis zu 100 Hinweisen ein. Ansonsten hilft es leider nur, die Verpackungen genau unter die Lupe zu nehmen und den Preis pro 100 Gramm auszurechnen. Der muss nämlich immer auf dem Preisschild angebracht sein.

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