Vegane Mode: Wie Plastikflaschen & Co. eine zweite Karriere als Leder bekommen

Leder ist für viele Menschen ein selbstverständlicher Bestandteil von Garderobe und Alltagsgegenständen: Nicht nur Schuhe, Jacken, Handschuhe und Taschen werden oft aus Leder hergestellt, auch Autositze und Möbel sind häufig mit dem Material bezogen. Die wenigsten Menschen jedoch machen sich Gedanken darüber, wie das Leder, das sie tagtäglich tragen, überhaupt hergestellt wird.

Damit verbunden ist oft unfassbares Tierleid. Leder ist nämlich längst nicht mehr nur ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Exotische Tiere wie Kängurus, Alligatoren und Büffel werden zum Teil einzig und allein ihrer Haut wegen gejagt oder sogar unter unwürdigen Verhältnissen gezüchtet. In Georgia wurden beispielsweise auf einer Krokodilfarm 10.000 Tiere gefunden, die auf engsten Raum zusammengepfercht wurden.

Die Ledergewinnung macht auch die Schlachtung von Tieren wie Rindern, Lämmern und Schweinen noch profitabler. Als Folge werden noch mehr Tiere geschlachtet, als für die Fleischproduktion nötig wäre. Billigleder stammt übrigens oft aus Ländern wie China oder Indien. In Indien gelten Rinder zwar als heilig, wer jetzt jedoch denkt, dass die Rinder möglichst qualfrei geschlachtet werden, der irrt. Auch hier werden die Tiere schlimm behandelt, unter schrecklichen Bedingungen zum Schlachthof transportiert und so vor der Schlachtung noch unnötig gequält. Bis zu 2 Millionen Kühe werden jedes Jahr von Indien nach Bangladesch transportiert, um dort ihrer Haut wegen getötet zu werden.

Doch damit nicht genug: auch Kinderarbeit und Umweltverschmutzung sowie gesundheitsschädliche Gerbungsprozesse in den produzierenden Entwicklungsländern machen Leder zu einem quasi inakzeptablen Material.  Leder wird nämlich fast überall unter anderem mit Chrom gegerbt, welches im Verdacht steht sogar krebserregend zu sein. Eine Chromgerberei verschwendet für eine Tonne gegerber Tierhaut 55.000 Liter Wasser und produziert große Mengen an giftigen Abfallprodukten, die Arbeiter und Endverbraucher krank machen können.


Ananasblätter bekommen eine zweite Karriere als Leder

Zum Glück gibt es mittlerweile immer mehr Designer, die sich mit Umweltschutz auseinandersetzen und vegane Mode produzieren. Statt Wolle, Leder oder Seide lassen sich eine ganze Reihe anderer Produkte verarbeiten, von denen du manche vermutliche noch gar nicht kanntest!

Die spanische Designerin Carmen Hijosa verwendet statt Leder aus Tierhaut eine Art Naturleder, Piñatex genannt. Das sieht aus wie echtes Leder, fasst sich auch so an und ist ebenso stabil, jedoch musste für eine Tasche aus Piñatex kein einziges Tier sterben! Das Material wird aus Ananasblättern gewonnen. Da diese Blätter bei der Ananasernte normalerweise im Abfall landen und nicht extra angebaut werden müssen, ist dieses Naturleder ressourcenschonend und besonders nachhaltig. Für ihr Label Ananas Anam nutzt Hijosa die Blätter von philippinischen Ananas-Bauern und verschafft ihnen so ein lukratives Nebeneinkommen für etwas, was sonst nur weggeworfen werden würde.


Unkonventionelle Materialien wie Plastikflaschen oder Buchenholz werden immer beliebter

Das Modelabel Bleed wurde 2013 mit dem Peta Vegan Fashion Award ausgezeichnet. Die sportive Mode des Skater-und Surfllabels wird aus recycelten PET-Flaschen hergestellt! Jacken und Kleider aus Plastikabfall? Ja, das geht! Andere machen es nach, nicht nur Modedesigner, sondern auch Stars: Musikproduzent Pharrell Williams hat zusammen mit G-Star und Adidas beispielsweise schon ganze Kollektionen herausgebracht, die aus Plastikmüll hergestellt wurden.

Schauspielerin Emma Watson wiederum setzte lieber ein Zeichen und trug zur Met Gala 2016 ein Kleid von Calvin Klein, dessen Stoff aus recycelten Plastikflaschen bestand. Kein Wunder, lautete das Thema der Gala doch „Manus x Machina: Fashion in an Age of Technology“. Die perfekte Gelegenheit also zu zeigen, dass wir im 21. Jahrhundert lägst nicht mehr auf echtes Leder angewiesen sind, sondern zu ressourcenschonenden Materialien greifen können.

Auch Buchenholz und Eukalyptusholz führen die Liste der unkonventionellen, innovativen Fasern an. Vegane Mode ist so übrigens nicht nur tier-und umweltfreundlichen, sondern schont auf Dauer auch den Geldbeutel. Kleidung, die aus Materialien auf Erdölbasis besteht – wie Polyester – überlebt nämlich normalerweise kaum ein Jahr und muss regelmäßig ersetzt werden.

Kork ist eine weitere robuste Leder-Alternative; der Stoff ist nicht nur strapazierfähig, sondern auch extrem leicht, dabei wasserabweisend und atmungsaktiv. Kork wird übrigens aus der Rinde der Korkeiche gewonnen – dafür muss kein Baum gefällt werden und der Rohstoff wächst sogar nach.

Das Modelabel Umasan produziert ausschließlich mit pflanzlichen Fasern. Ihre Kleidungsstücke bestehen aus Buchenholz, Eukalyptusholz, einer Algenfaser, Bambus und Soja-Seide.

 

 

 

 

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