Was passiert wirklich mit unseren Altkleidern?

Jedes Jahr werden circa 800.000 Tonnen Altkleider entsorgt. Das Sortiment in Kleidergeschäften wechselt immer häufiger, ständig gibt es ein neues „It-Piece“, das man nun unbedingt kaufen muss. Gleichzeitig sinkt die Nutzungsdauer der Textilien, so mancher Pulli ist schon nach wenigen Waschgägen ausgeblichen oder verwaschen und wird deshalb aussortiert. Gerade günstige Mode-Discounter werden immer häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert, sogenannte „Wegwerfmode“ zu produzieren, die nach nur wenigen Wochen direkt wieder entsorgt und durch ein neues Teil ersetzt wird. Bei schlappen 5€ für einen Pulli oder BHs für 2€ das Stück tut das ja auch dem Geldbeutel nicht weh. Kein Wunder, dass wir nun vor wahren Altkleiderbergen stehen – 30 bis 40 % der ausrangierten Klamotten sind übrigens noch tragbar! Kaum jemand macht sich Gedanken über die Ressourcen und die Arbeitskraft, die in die Herstellung eines einzigen T-Shirts investiert werden, auch der Gedanke an menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse in Ländern wie Pakistan oder Bangladesh wird häufig verdrängt. Wer regelmäßig seinen Kleiderschrank aussortieren und trotzdem der Umwelt etwas Gutes tun möchte, der wirft seine Altkleider statt in den Müll immerhin in Kleidercontainer. Doch wie nachhaltig ist das wirklich und wo landen unsere ausrangierten Klamotten tatsächlich?


Vorsicht bei der Auswahl von Altkleidercontainern

Zunächst einmal gibt es zwei Arten von Kleidercontainern: Auf der einen Seite die Sammelstelllen, die von Organisationen wie dem Roten Kreuz aufgestellt werden, dann wiederum solche Container, die von gewerblichen Sammlern illegal aufgestellt werden. Du solltest daher genau aufpassen, in welche Art von Container du deine Kleiderspende wirfst – ansonsten wirst du nämlich keinesfalls Bedürftige unterstützen, sondern scheffelst Geschäftsleuten eine riesige Summe in die Tasche. Achte darauf, dass sich auf dem Kleidercontainer ein seriöses Unternehmenslogo, eine Adresse und eine Telefonnummer befinden – dort kannst du normalerweise auch nachfragen, was konkret mit deiner Kleiderspende passiert. Auch Aufkleber von Fairwertung E.V. oder dem Deutschen Zeintralinstitut für Soziale Fragen (DZI) weisen auf seriöse und karitative Organisationen hin. Ungelabelte Container sind hingegen immer privat und eben häufig ohne die Genehmigung der Behörden aufgestellt worden. Diese privaten Sammler verkaufen die Berge an Altkleider oft gewinnbringend nach Afrika oder in Second Hand Läden in osteuropäische Länder. Dort kann eine ausrangierte Marken-Jacke sogar noch für 70€ verkauft werden. Von Wohltäigkeit keine Spur!

Aber selbst karitative Organisationen können die Massen an Kleiderbergen gar nicht vollständig selbst verwenden, auch hier wird ein großer Teil oft an Textilverwerter verkauft. Anschließend wird die Kleidung sortiert und entweder als Second Hand Kleidung nach Afrika, Osteuropa oder den Mittleren Osten verschifft (circa 30%), verbrannt (7%) oder immerhin noch zu Putzlappen, Autositzfüllungen oder ähnlichem verarbeitet. Nur circa 17% der Altkleider können recyclet werden. Gemeinnützige Organisationen nutzen den Erlös aus verkauften Altkleidern aber immerhin für soziale Zwecke.


Alternative zum herkömmlichen Altkleidercontainer

Wer sicher gehen möchte, dass mit seiner Kleiderspende Bedürftige in Deutschland unterstützt werden, der sollte besser gleich an Kleiderkammern spenden. Die Textilien und Schuhe werden oft kostenlos oder gegen eine sehr geringe Spende an arme Menschen weitergegeben. Auch Flüchtlinge brauchen dringend Kleidung, da sie oft nur mit dem Nötigsten ankommen. Frauenhäuser oder Obdachlose werden mit den gespendeten Kleidern ebenfalls unterstützt. Gute Anlaufstellen sind das DRK oder die Caritas.

 

Wenn du noch besonders gut erhaltene Kleidung oder auch einfach Fehlkäufe abgeben möchtest, kannst du natürlich auch eine Tauschparty organisieren. So findet so manches Kleidungsstück ein neues Zuhause.


Nachhaltigkeit ist mittlerweile auch für viele Kleidergeschäfte ein großes Thema. In etlichen Modeketten kannst du gebrauchte Kleidung tütenweise abgeben und wirst dafür sogar noch belohnt. In der Vergangenheit haben unter anderem H&M, Adler, Reno, Cecil und Intimissimi in Zusammenarbeit mit der Organisation I:CO solche Aktionen durchgeführt.

Gegen eine Tüte gebrauchter Kleidung – egal von welcher Marke oder in welchem Zustand – bekommst du dann oft einen Wertgutschein, den du für deinen nächsten Einkauf nutzen kannst.

 

 

 

 

 

 

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